Wie erkenne ich einen guten Übersetzer – 5 Tipps für Unternehmen

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Photo by Joao Silas via unsplash.com

Vor einigen Monaten nahm ich an einem Workshop teil, bei dem Isabel Bogdan – Autorin, Bloggerin, aber vor allem auch Übersetzerin von literarischen Texten aus dem Englischen ins Deutsche – über ihre Arbeit sprach. In diesem Rahmen wurde Bogdan eine wichtige Frage gestellt. Eine Frage, die sich nicht nur Verlage, sondern jedes Unternehmen, das Zielgruppen unterschiedlicher Länder ansprechen möchte und auf Übersetzer angewiesen ist, schon einmal gestellt hat: Wie erkenne ich eine gute Übersetzung (und somit einen guten Übersetzer)?

Isabel Bogdan antwortete sehr kurz, charmant und absolut zutreffend: „Eine gute Übersetzung ist ein gut geschriebener Text.“ Innerlich habe ich applaudiert. Denn mit diesem Satz brachte Bogdan einen der wichtigsten Merkmale einer guten Übersetzung auf den Punkt – zutreffend, ganz gleich ob Literatur oder Werbetexte von der einen Sprache in eine andere übertragen werden. Doch es gibt noch mehr.

Lost in Translation? Das muss nicht sein.

Da ich selbst beruflich Texte übersetze (Marketingtexte aller Art vom Englischen ins Deutsche) schossen mir natürlich noch weitere Qualitätsmerkmale von guten Übersetzungen durch den Kopf und somit dem, was einen guten Übersetzer ausmacht. Bei einer angeregten Gespräch mit meinen Kollegen von steelecht, formierte sich in meinem Geist schließlich eine ganze Liste, die ich Ihnen hier präsentieren möchte. Sie ist ein Leitfaden, der Sie dabei unterstützen soll, eine gute Übersetzung bzw. einen guten Übersetzer ganz einfach zu erkennen. Sie zeigt außerdem, was Sie als Kunde oder Unternehmen tun können, um zu dem gewünschten Übersetzungsergebnis beizutragen (ja, das können Sie wirklich!). Fangen wir an – hier meine 5 Tipps:

1.) Es reicht nicht, dass ihr Übersetzer Muttersprachler ist – er sollte ein guter Texter sein.

Bei Anfragen zu Übersetzungen wird oft die Frage gestellt, ob der Übersetzer auch Muttersprachler in der Zielsprache ist. Verstehen Sie mich nicht falsch, diese Frage ist absolut berechtigt, aber sie ist unvollständig. Denn eigentlich wäre es besser zu fragen: Ist er Muttersprachler und professioneller Texter, Journalist oder Autor? Denn Muttersprachler mit guten Fremdsprachenkenntnissen gibt es viele – das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass sie ein gutes Sprachgefühl haben und Texte kreieren können, die begeistern.

Meine Kollegen und ich sind überzeugt, dass man nur ein guter Übersetzer sein kann, wenn man auch die Kunst des Schreibens beherrscht und kreativ mit Worten jonglieren kann, bis sie sich zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen. Und da wären wir bei unserem nächsten Punkt…

2.) Die Übersetzungen eines guten Übersetzers klingen nicht wie Übersetzungen. Sie klingen wie gut geschriebene Texte.

Doch wie kann das gelingen? Indem man jemanden engagiert, der gut schreiben kann (Punkt 1)! Aber auch indem man als Kunde akzeptiert, dass jede Sprache anders „funktioniert“ und eine kontinuierliche 1:1 Übersetzung in den wenigsten Fällen empfehlenswert ist (insbesondere nicht bei Marketingtexten).

Als Auftraggeber sollte man sich also bewusst machen, dass jede Sprache ihre Eigenarten, Wortspiele, Satzkonstruktionen, grammatikalischen Besonderheiten und auch unübersetzbare Vokabeln hat. Lassen Sie ihrem kreativen Übersetzer die Freiheit, an diesen schwierigen Stellen, die richtigen Worte in der Zielsprache für Sie zu finden, vertrauen Sie seiner Sprachgewandtheit. Machen Sie sich bewusst, dass es darauf ankommt die richtige Botschaft ansprechend zu transportieren und nicht darauf, immer exakt die Vokabeln zu verwenden, die ihr Wörterbuch als Übersetzung vorschlagen würde. Wenn das genug wäre, könnten Sie auch Google Translate nutzen. Aber keiner möchte Texte lesen, die „übersetzt klingen“ – sondern vielmehr solche, die stilistisch überzeugen, die Botschaft verständlich und klar transportieren und die Zielgruppe ansprechen und begeistern.

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Photo by Dmitry Ratushny via unsplash.com

3.) Gute Übersetzer denken mit und sind mutig.

Sie erkennen einen guten Übersetzer auch daran, dass er einen Text nicht schlicht in einer anderen Sprache reproduzieren möchte, sondern sich zum Ziel macht ihn wenn nötig zu verbessern. Jemand, der das Beste aus dem Text rausholen will und deshalb eingreift – wenn er es für nötig hält. Um das zu tun, muss man tatsächlich auch ein wenig Mut beweisen. Ein Text kann oft dadurch verbessert werden, dass man etwas weglässt, dass man etwas umformuliert, oder dass man etwas ergänzt. Isabel Bogdan hatte ein schönes Bild dafür im Workshop. Ein Übersetzer hat ihrer Ansicht nach Gemeinsamkeiten mit einem Schauspieler: Er kann einen Text durch seine Interpretation verbessern oder (wenn es schlief geht) verschlechtern. Ein paar Beispiele für Eingriffe, die sich lohnen:

  • Ein Text wird besser, wenn man ein Wortspiel, das nur in der Ausgangssprache Sinn macht ganz weglässt, wenn sich kein sinnvolles Äquivalent in der Zielsprache dazu finden lässt.
  • Ein Text wird besser, wenn man holprig formulierte Passagen des Originals nicht ebenfalls sklavisch holprig in die Zielsprache überträgt, sondern sich lediglich die Botschaft herausgreift und sie in der Zielsprache klarer und verständlicher formuliert. (Wir nennen diese kreative Form der Übersetzung Transkreation. Lesen Sie auf unserer Webseite mehr darüber.)
  • Ein Text wird besser, wenn Ihr Übersetzer Sie auf Passagen hinweist, die für ein anderssprachiges Publikum nicht auf Anhieb verständlich sind. Dabei handelt es sich meist um Sachverhalte, Personen und Abkürzungen, die bspw. Lesern aus Deutschland geläufig sind – anderssprachigen jedoch nicht unbedingt. Er wird Sie dann um zusätzliche Informationen bitten oder diese, wenn möglich, recherchieren und ergänzen.
  • Ein guter Übersetzer weist sie auf Fehler im Originaltext hin, die ihm aufgefallen sind.
  • Er stellt Ihnen außerdem Fragen, ohne Angst zu haben sein „Gesicht zu verlieren“, wenn er etwas nicht weiß oder etwas nicht versteht, z. B. einen beschriebenen technischen Vorgang im Originaltext. Das ist wahrlich kein Makel, sondern ein weiterer Beweis für die hohen Qualitätsansprüche Ihres Übersetzers. Er möchte den Text genau verstehen, um das bestmögliche Ergebnis, um die treffendste Formulierung für Sie herauszuholen.

4.) Eine gute Übersetzung ist Teamwork.

Ein guter Übersetzer kann alleine durchaus einen guten Job machen, aber einen noch besseren, wenn er sich mit Kollegen austauschen kann zu Fragen oder schwierigen Formulierungen. Gemeinsam kommt man eben manchmal auf bessere Ideen!

Nicht unterschätzen sollte man auch die Korrekturschleife sobald der Text fertiggestellt wurde – man wird bei seinem eigenen Text manchmal blind für kleine Flüchtigkeitsfehler. Das ist unvermeidbar. Deshalb ist das 4-Augen-Prinzip so bewährt. Ein Kollege, der mit einem frischen Blick drauf schaut, kann genau solche Fehler erkennen und einen wertvollen Beitrag zur Optimierung des Textes leisten. Deshalb gehört das Korrekturlesen nach dem 4-Augen-Prinzip bei steelecht selbstverständlich bei einem Übersetzungsauftrag dazu.

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Photo by Oli Dale via unsplash.com

5.) Kunden können zu einer guten Übersetzung beitragen – mit dem richtigen Briefing.

Sie wissen was Sie wollen. Dann teilen Sie Ihr Wissen und Ihre Wünsche mit Ihrem Übersetzer und werden Sie konkret. Denn Ihr kreativer Übersetzer kann zwar Worte wie Mosaiksteinchen zusammenfügen, aber keine Gedanken lesen. Briefen Sie ihn und überlassen Sie die Übersetzung nicht einfach dem Zufall. Beantworten Sie in Ihrem Briefing folgende Fragen:

  • Zu welcher Gattung gehört der Text? Sagen Sie es ruhig vorab. Ihr Übersetzer wird es beim Lesen natürlich auch selbst herausfinden, aber die Vorabinformation ermöglicht es ihm den Text auch beim ersten Lesen mit einem geschärften Blick für die Eigenheiten der Gattung (Pressetext, Blogbeitrag, Mailing, Produktbeschreibung etc.) zu erfassen und nach adäquaten Lösungen in der anderen Sprache zu suchen.
  • Welche Zielgruppe soll er ansprechen? Sie kennen Ihre Zielgruppe, aber Ihr Übersetzer (vielleicht) noch nicht. Teilen Sie Ihr Wissen mit ihm. Außerdem können sich Zielgruppen von Land zu Land unterscheiden. Machen Sie deutlich, an wen sich der Text richtet.
  • Welche Tonalität soll der Text haben? Förmlich, verspielt, humorvoll, werblich, salopp-jugendlich? Es gibt so viele „Tonarten“. Ein guter Übersetzer möchte das Sie genau das bekommen was Sie sich wünschen. Um zu vermeiden, dass es nach getaner Arbeit heißt: „So haben wir uns das nicht vorgestellt“, ist es wichtig, dass Sie Ihre Wünsche vorab klar kommunizieren.
  • Haben Sie eine Terminologie? Eine Terminologie ist eine Auflistung von Fachtermini und Begrifflichkeiten, die Sie in Ihrem geschäftlichen Kontext immer wieder verwenden samt ihres (z. B. englischsprachigen) Pendants. Indem Sie darin festlegen wie die Fachtermini stets übersetzt werden sollen, können Ihre Übersetzer eine einheitliche und stimmige Unternehmenssprache in ihren Texten kreieren. Wenn Sie bereits eine solche Terminologie angelegt haben, geben Sie diese Ihrem Übersetzer unbedingt an die Hand. Wenn nicht, können auch wir von steelecht gerne eine für Sie anlegen und kontinuierlich fortführen. Es wird Ihre Arbeit und die Ihres Übersetzers erleichtern und Abstimmungszeiten deutlich verkürzen, denn wenn einmal festgelegt ist wie ein Fachterminus stets übersetzt werden soll, werden weder Sie noch Ihr Übersetzer immer wieder aufs neue abwägen müssen welche der vielen möglichen Übersetzungen für Sie die Richtige ist.

Jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen bei der Suche nach dem richtigen und somit auch richtig guten Übersetzer. Wir wünschen gutes Gelingen!

Wie erwähnt, bietet steelecht Transkreationen (kreative Übersetzungen) an. Sie sind interessiert an einem Angebot oder einer Arbeitsprobe? Dann kontaktieren Sie uns per E-Mail an info@steelecht.com.

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Zu gutem Design gehört ein guter Ton

Corporate Language_Copywriting_steelecht_unsplash_by Alejandro Escamilla

Photo by Alejandro Escamilla via unsplash.com

Wenn Menschen an Corporate Identity denken, denken sie vor allem an Corporate Design, doch das ist nur ein Teil des Bildes (bzw. nur die halbe Geschichte). Denn mindestens genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, ist die Corporate Language. Die Festlegung des Sprachstils rund um eine Marke, hilft dabei ihre Geschichte in einem einheitlichen Ton zu erzählen, so dass die Corporate Identity sogar ohne Design unverwechselbar bleibt.

Den Ton festlegen
Natürlich sollte eine Firma für Sportausrüstung eine andere Tonalität wählen als eine Ingenieursfirma. Wie findet man aber heraus, welche Details und Feinheiten die eine Ingenieursfirma von der anderen unterscheiden und ihre Identität ausmachen?
Eine hilfreiche Methode ist das Brainstormen von gegensätzlichen Charakteristika, wie z.B.: freundlich/zurückhaltend, unterhaltsam/informativ, emotional/rational, etc. Setzen Sie jedes dieser Wortpaare auf eine Skala von 1-10 und markieren Sie ihre Zieltonalität auf jedem Kontinuum. Die resultierende Analyse ist ein hilfreiches Dokument, das Sie an jeden weitergeben können, der für die Kommunikation Ihrer Markenbotschaft verantwortlich ist – auch externe Agenturen.

Den Ton anwenden
Es gibt mannigfaltige Möglichkeiten die Sprach- und Tonalitätsentscheidungen in spezifische Inhalte zu verwandeln. Ein Beispiel – und vielleicht der wichtigste Marketing Trend seit Jahren – ist das Content Marketing. Content Marketing ist die Publikation von Materialien, die auf wirkliche Information setzen und so einen Mehrwert für den Leser schaffen (im Gegensatz dazu steht die klassische Werbung, die primär auf den Verkauf abzielt).

Wenn Sie international tätig sind, ist ein weiterer wichtiger Aspekt die Transkreation (im Gegensatz zur klassischen Übersetzung). Um sicherzustellen, dass keine Nuance der Corporate Language verloren geht, sollten Sie mit Übersetzern arbeiten, die erfahrene Copywriter sind. Für die Transkreation übergeben Sie den Übersetzern nämlich nicht nur einen Text, sondern liefern auch Angaben zu Tonalität, Zielen und Zielgruppen – sowie die Erlaubnis „kreativ“ zu arbeiten. Diese Herangehensweise ist etwas kostspieliger, aber dafür erhalten Sie einen Text, der funktioniert. Und letzten Endes geht es hierbei ja um Ihre Identität.

Tonalität kann das Image einer Marke im besten und schlechtesten Sinne entscheidend beeinflussen. Wenn Sie erkannt haben, wie wichtig die richtige Tonalität ist, haben Sie den ersten Schritt zu einer besseren Kommunikation bereits getan.

Über steelecht
steelecht hilft Firmen bei der Planung und Implementierung ihrer Corporate Language. Die Firma arbeitet seit mehr als zehn Jahren in den Bereichen Copywriting und Transkreation für Kommunikationsmaterialien. Die Leidenschaft für Kommunikation und Mehrsprachigkeit hat weiterhin dazu geführt, dass die Firma im Bereich der Sprachlern-Technologien, mit dem Fokus auf personalisiertem und kontext-basiertem Lernen, tätig geworden ist.

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